KONTAKT

ELSE-FRENKEL-BRUNSWIK-INSTITUT für Demokratieforschung in Sachsen

Universität Leipzig
Ritterstraße 26
04109 LEIPZIG

efbi@uni-leipzig.de

POSTFACH-NR.: 348003


- Forschungsprogramm
- Projekte
- Dokumentation
- Publikationen
- Veranstaltungen

Logo Universität Leipzig

Bundesweites Projekt

Antisemitismus unter Studierenden an deutschen Universitäten – Erscheinungsformen, Verbreitung und Funktion

Foto: Mikael_Kristenson_unsplash.com

Neues Forschungsprojekt am EFBI: Ursachen und Dynamiken des aktuellen Antisemitismus

Unmittelbar nach dem Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 kam es zu zahlreichen Solidaritätsbekundungen für die Menschen im Gaza-Streifen, teils auch mit Bezug zur Hamas. Bei Demonstrationen und öffentlichen Äußerungen zeigten sich dabei immer wieder offene antisemitische Ressentiments gegenüber Israel. Besonders an deutschen Hochschulen wurde deutlich, dass diese Form des Antisemitismus unterschiedliche politische Gruppen unter Studierenden verbinden kann. Zwar weist die Forschung schon länger darauf hin, dass israelbezogener Antisemitismus zunimmt. Warum er gerade junge Erwachsene mobilisiert, ist aber noch nicht ausreichend geklärt. Ein neues Forschungsprojekt am EFBI widmet sich dieser Frage.

Methodisches Vorgehen

Am 1. März startet das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte Projekt „Antisemitismus unter Studierenden an deutschen Universitäten – Erscheinungsformen, Verbreitung und Funktion (AnSU)“ mit einer Laufzeit von 48 Monaten. Das von Prof. Dr. Oliver Decker geleitete Projekt wird in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Menschenrechte (DIMR) durchgeführt. Das Ziel ist es, antisemitische Einstellungen unter Studierenden und Hochschuldozenten empirisch zu erfassen.

In einem ersten Schritt wollen die Forscher mit einer repräsentativen Stichprobe quantitativ erfassen, wie verbreitet antisemitische Einstellungen sind und wie stark sie ausgeprägt sind.  Im Anschluss werden ausgewählte Teilnehmende zu Gruppendiskussionen eingeladen. So können die Wissenschaftler genauer untersuchen, welche Funktionen und Bedeutungen antisemitische Einstellungen haben und wie sie sich vor und nach dem 7. Oktober 2023 verändert haben. Antisemitische Ressentiments unter Studierende an deutschen Universitäten rücken in den Fokus, weil es bislang nur wenige verlässliche Daten zum israelbezogenen Antisemitismus in dieser Gruppe gibt. Zudem soll die Entstehung und Aufrechterhaltung des Antisemitismus zwischen verschiedenen Trägergruppe am Beispiel von Studierenden untersucht werden.

Inklusion verschiedener Perspektiven

Auf Basis dieser Ergebnisse wollen die Forscher besser verstehen, welche Mechanismen hinter antisemitischen Ressentiments stehen und wie neue Formen entstehen und daraus Rückschlüsse auf gesellschaftliche Entwicklungen insgesamt ziehen. Jüdische Studierende und Dozenten sollen in die Durchführung des Projekts eingebunden werden, damit ihre Perspektive berücksichtigt wird. Dafür werden jüdische Studierendenorganisationen als feste Praxis- und Transferpartner in die Entwicklung des Forschungsdesigns einbezogen.

Ein wichtiger Teil des Projekts ist zudem die enge Zusammenarbeit mit den Antisemitismusbeauftragten an Hochschulen beziehungsweise den zuständigen Ansprechpersonen. Ihr Fachwissen soll von Anfang an in das Projekt einfließen. Sie wirken dabei sowohl als Expertinnen und Experten in Interviews mit als auch als wichtige Partner für die praktische Umsetzung und den Wissenstransfer.

Zusätzlich arbeiten die Wissenschaftler mit dem Projekt „Kompetenznetzwerk Antisemitismusprävention an Hochschulen“ (KoNHAP) der Hochschulrektorenkonferenz zusammen. So stellen sie sicher, dass die vom Deutschen Institut für Menschenrechte entwickelte Präventionsstrategie eng mit den Hochschulen und ihren Beauftragten abgestimmt wird