Zweite Förderphase für das Else-Frenkel-Brunswik-Institut gestartet

Das Else-Frenkel-Brunswik-Institut (EFBI) für Demokratieforschung startet in seine zweite Förderphase. Neben der Transformationsforschung, soll die Untersuchung von Jugendradikalisierung und der Verbreitung antisemitischer Einstellungen einen Schwerpunkt bilden. Zudem werden die Bereiche "Dokumentation und Monitoring", das Arbeitskämpfe-Projekt und die Protestforschung weiter entwickelt.

Seit seiner Gründung im Jahr 2020 untersucht das EFBI die Ursachen demokratiegefährdender Einstellungen und Verhaltensweisen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung gesellschaftlicher Polarisierung und autoritärer Dynamiken. Als interdisziplinäres Institut an der Universität Leipzig vereint das Else-Frenkel-Brunswik-Institut empirische Sozialforschung, Demokratietheorie und Wissenstransfer. „Es ist weiterhin unser Ziel, demokratiefördernde Handlungsmöglichkeiten wissenschaftlich fundiert aufzuzeigen“, sagt EFBI-Leiter Professor Oliver Decker. „In den kommenden Jahren werden unsere Forschungsschwerpunkte im Bereich gesellschaftliche Transformation, Jugendradikalisierung und Antisemitismusforschung liegen.“

Im vergangenen Jahr ist das Projekt „Transformationserleben nach 1989 und politisch-gesellschaftliche Deutungsmuster heute“ gestartet. Die Forscher widmen sich der Frage, wie Erfahrungen aus der Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche nach der Wiedervereinigung bis heute politische Einstellungen prägen – insbesondere im Osten Deutschlands. „Im Projekt führen wir Gruppendiskussionen mit Menschen durch, die bereits seit 1987 an der sächsischen Längsschnittstudie teilnehmen, einer quantitativen Langzeitbefragung. Durch unsere qualitativen Erhebungen sollen Zusammenhänge zwischen biografisch-gesellschaftlichen Erfahrungen und aktuellen politischen Deutungsmustern besser verstanden werden“, sagt Doktor Fiona Kalkstein, stellvertretende Direktorin des Instituts und Co-Projektleiterin. Das bietet die Grundlage, um die Weitergabe von Transformation in die nächste Generation zu untersuchen.

Dokumentation und Monitoring: Stärkerer Fokus aus soziale Medien wie Tiktok

Der Bereich „Dokumentation und Monitoring“ wird weitergeführt und ausgebaut. Ziel des Monitorings antidemokratischer Mobilisierung im Internet ist es, Netzwerke und Strukturen im Internet zu erfassen und zu beobachten sowie die Verbindungen und Themensetzung autoritärer und antidemokratischer Akteure kontinuierlich im Blick zu behalten. „Bisher lag der Fokus stark auf Telegram-Kanälen, die in der Covid-19-Pandemie eine wichtige Rolle gespielt haben“, erklärt Doktor Johannes Kiess, stellvertrender Institutsleiter und Leiter des Bereichs „Dokumentation und Monitoring“. „Zukünftig werden wir uns stärker mit anderen Sozialen Medien wie Tiktok und dem Auftreten antidemokratischer Akteure auf diesen Plattformen befassen“.

Ebenfalls weitergeführt bis Ende 2026 wird das Forschungsprojekt „Handlungsfähigkeit (wieder)entdecken: Arbeitskämpfe, lokale demokratische Kultur und Strukturwandel in Sachsen“, das ebenfalls von Doktor Kiess geleitet und von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert wird. Anhand von ausgewählten Arbeitskämpfen in Sachsen untersucht die beteiligten Wissenschaftler, was den besonderen politischen Charakter dieser Kämpfe ausmacht, wie lokale politische Kultur und Politik im Betrieb ineinandergreifen und inwiefern die Organisierung über den Betrieb hinaus sozialisierend und demokratisierend wirken kann.

Etablierung eines Sächsischen Protestmonitors

Der Bereich Protestforschung wird von Doktor Piotr Kocyba geleitet. Sein Ziel ist es, einen „Sächsischen Protestmonitor“ zu etablieren, der mehrere methodische Zugänge verschränkt. Zunächst wird in einer Protestereignisanalyse, basierend auf lokaler Presse, ein Überblick über das Demonstrationsgeschehen geschaffen, um so die Protestdynamiken im Freistaat zu rekonstruieren. Zusätzlich werden besonders große Straßenmobilisierungen unter Rückgriff auf die Methode der Protestbefragung untersucht, was Aussagen über die Teilnehmer von Demonstrationen und ihren Motivation erlaubt. Drittens werden besonders virulente lokale Mobilisierungsdynamiken qualitativ beforscht, um „in der Öffentlichkeit wie auch Forschung häufig übersehene Momente von Polarisierung besser verstehen zu können,“ erläutert Doktor Piotr Kocyba. „Insgesamt ist es unsere Absicht, den spätestens seit dem Einsetzen der flüchtlingsfeindlichen Proteste von 2015 hochpolarisierten Straßenprotest in Sachsen systematisch zu erforschen.“

Antisemitismus spielt als Brückenideologie zwischen verschiedenen Milieus eine wichtige Rolle. Zusammen mit dem Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt wird an verschiedenen Standorten vergleichend erforscht, wie weit antisemitische Einstellungen in Deutschland verbreitet sind und wie sie in die Gesellschaft wirken.

Mit dieser Forschung wollen die Wissenschaftler des EFBI zu einem vertieften Verständnis gesellschaftlicher Spannungen beitragen – und damit langfristig zur Stärkung der Demokratie in Sachsen und darüber hinaus.

Pressekontakt

Pia Siemer

Referentin für Wissenschaftskommunikation
Strohsackpassage
Nikolaistr. 6-10
04109 Leipzig

Tel.: 0341 / 97-37892

E-Mail: pia.siemer@uni-leipzig.de

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